Sunny Graff

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Sunny Graff

Warum ich Modern Arnis im DAV trainiere von Sunny Graff

Meinen erster Kontakt mit den philippinischen Kampfkünsten hatte ich in den 70er Jahren während eines kleinen Lehrgangs für Kampfkunstlehrerinnen in Michigan, ein Vorläufer der „National Women’s Martial Arts Federation“ in den USA, wo Sifu Barbara Bones Single- und Doppel Sinawali unterrichtete. Ich war sofort begeistert. Es erinnere mich an Übungen, die wir früher schon bei den Pfadfinderinnen gemacht hatten. Ich war fasziniert vom Arnis, hatte damals aber keine Möglichkeit, Arnis weiter zu trainieren. Ich war damals Mitglied der US Taekwondo Nationalmannschaft und meine ganze Energie ging in die Wettkampfvorbereitung.
1983 trat ich vom Wettkampf zurück, schloss mein Jurastudium an der Columbia Universität mit der Diplomarbeit über vergleichendes Recht und bekam durch ein Stipendium die Möglichkeit, für ein Jahr in Deutschland zu studieren. Ich war sehr erstaunt, dass ich in Deutschland nur sehr wenig Kampfkunst oder Selbstverteidigung für Frauen fand. In Frankfurt gründete ich eine Taekwondo Schule für Frauen und Mädchen und startete eine bundesweite Ausbildung für Selbstverteidigungstrainerinnen.

Für mich selbst begann ich mit dem Shin Son Hapkido unter Sonsanim Ko Myong und ich nahm Verbindung mit dem Deutschen Arnis Verband, DAV, auf, der mich an einen ortsansässigen Lehrer verwies. Beim Lehrgang mit meiner ersten Prüfung sah ich zum ersten Mal den Bundestrainer des DAV, Datu Dieter Knüttel, in Aktion und ich beschloss sofort, dass er mein Trainer werden soll und ich von ihm lernen wollte. Der Unterricht war die 2 ½ Stunden Fahrtzeit (Hinfahrt) wert, um vom besten Lehrer lernen zu können.

Professor Presas warb für sein Modern Arnis als „art within your art“ (Kampfkunst innerhalb Deiner Kampfkunst). Arnis war die Kampfkunst, die in meinen Kampfkünsten fehlte. Ich liebe den physischen Aspekt des Taekwondo und Hapkido Trainings, das Treten, Kämpfen und Fallen. Aber Stockkampf eröffnet mir eine völlig neue Dimension der Kampfkünste und der Selbstverteidigung.

Die Vielseitigkeit, Kreativität und die Effektivität des Stockkampfes hatte mein Herz gewonnen. Ich fühle mich lebendig mit einem Stock in der Hand. Von den fließenden verwobenen Sinawali-Schlagmustern über die Feinheiten der Hebel, Entwaffnungen, der Konter, Gegenkonter und Gegen-Gegenkontertechniken des Tapi-Tapi, die Palette der Arnis-Techniken ist enorm. Wir arbeiten mit zwei Stöcken, mit einem Stock, Messern, Stock und Messern, langer Stock, Macheten, Schwertern, waffenlos in der langen, mittleren und nahen Distanz.

Die Vielseitigkeit der Waffen, die Verbindungen der verschiedenen Waffen und der waffenlosen Techniken sind endlos. Waffen eignen sich hervorragend zur Selbstverteidigung, da sie eine eventuelle körperliche Unterlegenheit in eine physischen Auseinandersetzung ausgleichen können. Stocktraining ist nicht nur effektiv und praktisch, da es Timing, Reaktion, Präzision, Schnelligkeit und korrekte Körpermechanik fördert, sondern es macht auch viel Spaß, die Stocktechniken zu trainieren.

Der schönste Aspekt des Arnis Trainings ist aber der, mit anderen Arnisadoren trainieren zu können. Am Anfang meiner Arnis Karriere hatte ich verschiedene Partner immer nur für eine kurze Zeit. Aber 1995 auf dem DAV Sommerlager in Kassel traf ich meinen nunmehr unbezahlbaren langjährigen Trainingspartner Bernd Vieth, der die Frankfurter Arnis Gruppe bei der „TG Bornheim“ leitet. Mein Training machte sofort riesige Fortschritte. Wir trainieren regelmäßig miteinander und machten zusammen den 2., 3. und 4. Dan Modern Arnis. Am bemerkenswertesten war die Prüfung zum 3. Dan im Jahr 1999, die in meiner Schule „Frauen in Bewegung“ in Frankfurt stattfand und die unter den Augen von Professor Presas stattfand. Ich war in der glücklichen Lage, viel Zeit in den USA verbringen zu können und habe so auch an etlichen Seminaren und Camps von Professor Presas teilnehmen können. Ich war hocherfreut, als ich 1994 hörte, dass der DAV offiziell mit Professor Remy Presas zusammenarbeitet.

Zusätzlich zum Modern Arnis habe ich intensiv Lapunti Arnis de Abanico trainiert. Ich reiste fünfmal auf die Philippinen, um dort mit Großmeister Ondo Carbunay zu trainieren. Ich liebe das Crosstraining und nehme an so vielen Lehrgängen wie möglich teil, besonders beim Warriors Eskima und beim IKAEF System. Ich bin nach wie vor von den unendlichen Variationsmöglichkeiten, die mit einem Stock gemacht werden können, fasziniert. Da ich schon seit über 20 Jahren Mitglied im DAV bin, habe ich das rasante Wachstum von einer Handvoll von Enthusiasten zu einer großen florierenden Organisation miterleben können. Es gibt inzwischen Modern Arnis Gruppen in fast allen größeren Städten Deutschlands. Einer der Hauptgründe dafür ist in der exzellenten Führung durch Datu Dieter Knüttel. Er hat ein enormes Wissen über Arnis und ein hervorragendes Auge für Bewegungen. Datu ist ein ausgezeichneter Lehrer. Er kann sowohl die komplexesten Techniken in einfache Bestandteile zerlegen, so dass sie auch für Anfänger gut zu lernen sind, als auch tausende von Variationen für die Fortgeschritten demonstrieren. Am wichtigsten ist es aber, dass Datu kontinuierlich den Kontakt zu den besten Kampfkünstlern der Welt sucht, um Allianzen zu schmieden und voneinander zu lernen. Dies garantiert, dass sich das Programm weiter entwickelt. Leider hat die Anzahl der Frauen, die Arnis trainieren nicht in gleicher Zahl zugenommen, wie der DAV insgesamt gewachsen ist. Es sind leider immer noch zu wenig Frauen und noch weniger höher graduierte Frauen im DAV.

Datu Dieter Knüttel und die Meister Hans Karrer und Jorgen Gydesen, sowie Peter Rutkowski bieten auf ihren Lehrgängen das ganze Jahr und überall in Deutschland und teilweise in Europa, Arnis Training auf hohem Niveau an. Das alle zwei Jahre stattfindende DAV Sommerlager ist ein echtes Highlight und zieht jedes mal mehr Teilnehmer an. Dieses Jahr unterrichten sogar Lehrer aus den USA und den Philippinen.

Einer der größten Vorteile des DAV ist die Offenheit und der freundschaftliche Umgang, der untereinander gepflegt wird. Es gibt eine herzliche Kameradschaft innerhalb der Organisation. Viele der Schwarzgurte sind fast seit der Gründung des DAV dabei. Die Teilnahme an Seminaren und Lehrgängen bedeutet, dass man immer mit alten Freunden zusammen ist und trotzdem die Bereitschaft besteht, neue Freunde kennenzulernen.