GM Rene Tongson

Autor

Rene R. Tongson

GM Rene R. Tongson
Grandmaster-Abaniko Tres Puntas
Senior Master-Modern Arnis, 8th Dan
Master of Philippine Indigenous Weapons
4th Dan Kendo

Über den DAV und Datu Dieter Knüttel von Großmeister Rene Tongson

Der Blick zurück
Es wurde schon viel gesagt und geschrieben, viel Geschichten und großartige Erinnerungen kommen an die Oberfläche, wenn man beginnt, sich daran zu erinnern, wie alles angefangen hat. 1966, als ich neun Jahre alt war, erlebte ich in Hinigaran, Negros Occidental, Philippinen, meine erste Arnis Stunde. Wir nannten es damals „Baston“, was in meinem Heimatdialekt Ilonggo das Wort für Arnis ist. Ich erinnere mich daran, dass ich meine erste Stunde von dem jüngsten der Presas Brüder bekam, von Roberto Presas. Wir trainierten an einer Umladestation für Zuckerrohr. Da es damals kein Rattan zum trainieren gab, haben wir uns einfach Stücke von den Zuckerrohrstangen abgeschnitten und trainierten damit. Für die Techniken benutzten wir Ausdrücke, die spezifisch für Hinigaran sind, wie GIKAN SA ADLAW „von der Sonne“, GIKAN SA BUKID „von den Bergen“ und GIKAN SA BAYBAY „von der See“, für die Schlagübungen, an deren genaue Ausführung ich mich nicht mehr erinnern kann.
Zu den Schülern, die vor mir mit dem Arnis angefangen haben, gehörte auch der heutige Großmeister Cristino Vasquez, der gegenüber von den Presas lebt. Er führte mich in die richtige Gymnastik ein, korrigierte meine Stände und Stellungen. Auch der heutige Großmeister Pepito Robas war in meiner Arnis Gruppe. Der ganze Club bestand nur aus 10 Schülern. Als kleiner Junge faszinierten mich die Stöcke immer mehr. Ich träumte davon, eines Tages ein berühmter Stockkämpfer zu sein. Ich nahm mein Arnis Training so ernst, dass ich häufig meine Schule vernachlässigte. Meine Mutter wurde dann immer böse und schimpfte mit Roberto und Cristino, dass ich in ihrem Training mitmachen durfte. Manong (philippinische Ausdruck für väterlichen Freund, Onkel) Remy würde ab und zu vorbeischauen, ein paar Techniken unterrichten, um dann wieder für Monate nicht zurückzukommen. Dann kam er wieder, unterrichtete wieder etwas und verschwand wieder. Drei oder vier neue Techniken, die dann zwei bis drei Monate intensiv trainiert wurden. Es ging um Qualität, nicht um Quantität, und die Techniken wurden intensiv perfektioniert. Nach meinem Abitur wurde ich nach Manila geschickt, um an der Universität zu studieren (Manila ist 18 Stunden mit dem Boot oder eine Flugstunde von Hinigaran entfernt). Ich nahm mehr Unterricht im ARJUKEN (Arnis-Judo-Kendo) Dojo von Ernesto, welches im Geschäftsviertel Quiapo lag, ganz in der Nähe des NAKO-Dojos von GM Remy, der zu dieser Zeit aber schon in den USA war. An der Universität machte ich folgende Abschlüsse: Bachelor in Ingenieurwissenschaften und Master in Betriebswirtschaft. Wir hatten dort eine enge Beziehung mit den Arnis Lehrern. Immer mehr Erfahrungen und mehr Training machten aus dem Jungen vom Lande einen erwachsenen Mann.

Und die Deutschen kamen
Es ist genau 24 Jahre her, dass ich zum ersten Mal einen jungen, aggressiven und energiegeladenen Deutschen kennerlernte. Heute Senior Master, kam Dieter Knüttel 1983 zum ersten Mal auf die Philippinen, um Arnis zu trainieren. Er trainierte Modern Arnis und ich unterrichtete ihn im klassischen Arnis, unter anderem im Abaniko Tres Puntas in GM Ernestos Dojo. Wir haben viel zusammen trainiert. SM Dieter trainierte sogar mit meinem anderen Arnis Großmeister, Mateo D. Estolloso. Auch mit ihm trainierte er Abaniko Tres Puntas und Sangga Patama – Sungkiti, 1986 war mein erster Kontakt zu einer ganzen Gruppe von Europäern, die Datu Dieter mit auf die Philippinen brachte, zum 1. Europäisch-Philippinischen Arnis Camp. Auf dem Camp wurde hauptsächlich Modern Arnis, aber auch viel Abaniko Tres Puntas und noch einiges mehr, trainiert. Es war eine denkwürdige Zeit, denn während wir auf Hundret Island, weit weg von Manila auf dem Camp Arnis trainierten, fand in Manila die unblutige Revolution des Volkes gegen das Marcos Regime statt. Keiner von uns wusste, dass eine Revolutionsregierung in Manila eingesetzt wurde. Am Abend unserer Rückkehr nach Manila flog der Hubschrauber mit dem Ex-Präsidenten Ferdinand Marcos über unsere Köpfe hinweg und brachte Marcos zum Flughafen, von wo er ins Exil gebracht wurde. Neben dem Leiter der europäischen Gruppe, Dieter Knüttel, sind auch heute noch zwei Teilnehmer dieses Camps aktive Arnis Lehrer. Hans Karrer, heute Meister des klassischen und des Modern Arnis und Jorgen Gydesen, heute auch Meister des Modern Arnis, sind inzwischen 6. Dan Modern Arnis, anerkannt von der IMAFP. Bea Knüttel, die 1986 auch an dem Camp teilnahm, ist die Mutter von Dieters beiden Söhnen. Es ist eine sehr nette Familie.

Dieter Knüttel
1983 gab es nur die „Modern Arnis Association Philippines“, MAAF, die Partner von der Gruppe war, die Dieter Knüttel damals repräsentierte, der Vorläufer des DAV. Ich hätte damals am ersten Tag nicht vermutet, dass dieser 190 cm große Dieter einmal einer der am meisten respektierten und anerkanntesten Instruktoren sein würde, und das nicht nur in Europa, sondern weltweit. Dieter hat sich diese Anerkennung durch seinen Einsatz für die FMA erarbeitet. Er hat die Philippinen bereist, um sich Wissen für seine Nachforschungen und sein Training zu erarbeiten. Er ist hoch angesehen für den Respekt, den er gegenüber philippinischen FMA Lehrern hat. Seine Freundschaft mit den Filipinos hat einen lange Tradition. Er hat sich den Respekt der Filipinos verdient. Er ist vielleicht neben Hans Karrer einer meiner besten Schüler im klassischen Arnis. Er hat die Feinheiten des Modern Arnis gemeistert und hat sich viele Kenntnisse sowohl im Bereich des klassischen Arnis wie Abaniko Tres Puntas als auch im Bereich der angewandten Alltagsgegenstände, die innerhalb der FMA auch viel trainiert werden, angeeignet. Vor Senior Master Dieter Knüttel werden noch viele Herausforderungen liegen. Er wird sie sicher alle meistern und an der Spitze bleiben.

Der Deutsche Arnis Verband – die Speerspitze
Zuerst verdient der DAV Anerkennung für sein professionelles Management der FMA, nicht nur in Deutschland, sondern auch als Vorbild für andere europäische Verbände. Der DAV gehört zu den am besten organisierten, aktivsten und professionellsten FMA Organisationen, nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch weltweit. Der DAV hat sich den Respekt von verschiedenen FMA Organisationen erarbeitet, wie z.B. von der IMAF-Philippines, PIGSSAI, Bakbakan, Doce Pares, Balintawak, Dikiti Tersia, Lighting Scientific, Kali-Ilustrisimo, und anderen. Er war sehr hilfreich bei der Ausrichtung des 3. FMA World Festivals und des 1. Remy Presas Memorial Modern Arnis Camps im Juli 2006 in Tagaytay und Manila, Philippinen. Ohne die Unterstützung des DAV wären diese Camps nicht so erfolgreich geworden. Das Beispiel des DAV hat die Gründung des russischen Verbandes „Regional Arnis Federation“, RAF, inspiriert. Eine Gruppe, die sich im Augenblick in Russland im Aufwind befindet. Senior Master Dieter Knüttel und Guro Peter Rutkowski repräsentierten den DAV während des 1. Russischen Modern Arnis Winter Camps im Februar 2007. Großmeister Rene Tongson und Senior Master Bambit Dulay repräsentierten die IMAFP von den Philippinen. Die jährliche Einladung von philippinischen Großmeistern und Meistern nach Deutschland, um dort Modern Arnis zu unterrichten, hat international viel Beachtung gefunden. Der DAV betreibt die Verbreitung der philippinischen Kampfkünste mit vollem Engagement. Ein schwieriger Job.

Der DAV hat außerdem ein standardisiertes Curriculum für seine Prüfungsprogramme, das sich an den Unterricht von GM Remy Presas aus seinen verschiedenen Phasen anlehnt. Worte reichen nicht aus, um zu zeigen, wie dankbar wir für die finanzielle Unterstützung des DAV waren, als es darum ging, die Krankenhausrechnungen für die Operation von GM Roland Dantes (Herzinfarkt) und die Rehabilitationskosten von IMAFP Präsident Noel Penaredondo (Schlaganfall), zu bezahlen. Vom 6. – 12. August findet das 10. DAV Sommerlager statt, was gleichzeitig die Jubiläumsfeier für 50 Jahre Modern Arnis (1957 – 2007) ist. Der DAV hat dazu Großmeister Tongson, Guro Ginalyn Relos (beide Philippinen), Senior Master Dan Anderson, Master of Tapi-Tapi Brian Zawilinski (der leider nicht kommen kann) und Senior Master Bram Frank (alle USA), eingeladen. Auch Guro Edessa Ramos (Schweiz) und Alexander Pisarkin (Russland) und viele andere werden zu diesem Sommerlager kommen, um Modern Arnis zu trainieren. Dies ist ein weiteres denkwürdiges Ereignis, das die volle Unterstützung der Worldwide Family of Modern Arnis, WFMA, genießt, zu dessen Gründungsmitgliedern der DAV gehört.

An den DAV Vorstand mit seinen Mitgliedern (u.a.) Sven Barchfeld, Philipp Wolf, Alfred Plath, Dieter Knüttel und Benedikt Eska, an seine Schwarzgurte und an alle seine Mitglieder: MABUHAY aus den Philippinen.