Edessa Ramos

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Edessa Ramos

Über den DAV und Datu Dieter Knüttel von Edessa Ramos, Zürich, Schweiz

Datu Dieter Knüttel ist der Bundestrainer einer Organisation mit weit über 1000 Modern Arnis Schülern/innen, die loyal, respektvoll und so energiegeladen sind, dass selbst ein stockschwingender Speedy Gonzales vor Neid erblassen würde. Viele seiner Schüler sind jetzt schon über 20 Jahre bei ihm. Es muss da doch ein Geheimnis zu diesem Erfolg, zu dieser langen Beziehung zueinander, geben. Laut Datu Dieter besteht das Geheimnis dieser lang andauernden Beziehungen aus den folgenden Komponenten:

– ein gutes Programm mit einer guten Progression – eine gute Struktur, die ein leichtes, effektives Lernen ermöglicht – Vereine, die geographisch über fast ganz Deutschland verteilt sind – ehrliche Prüfungen, die diesen Namen auch verdienen – Grade, die auch auf den Philippinen anerkannt sind.

Unter der Leitung von Datu Dieter Knüttel, der von einer beindruckenden Anzahl von ca. 150 Schwarzgurten vom 1. bis zum 6. Dan unterstützt wird, ist im DAV die treibende Kraft des Modern Arnis in Deutschland und Europa.

Im Jahr 2005, bei dem Besuch des philippinischen Großmeisters Rene Tongson erhielt der DAV auf der Gala zu seiner 20-Jahr-Feier eine Ehrenurkunde, von der „International Modern Arnis Federation Philippines“ (IMAFP). Großmeister Tongson präsentierte Datu Dieter Knüttel weiterhin die formale Ernennung als Berater für den Modern Arnis Council auf den Philippinen. Eine Ehre, die zum ersten mal einem nicht-philippinischen Meister zuteil wurde. Während dieser Ereignisses bekamen Hans Karrer und Jorgen Gydesen, damals seit 27 bzw. 22 Jahren Datu Dieters Schüler, durch GM Tongson von der IMAFP den 6. Dan und den Titel „Master of Modern Arnis“ verliehen.

In den Jahren, in denen der DAV unter GM Ernesto Presas trainierte, wurden diese Technikbereiche intensiv trainiert und perfektioniert: Reaktions- und Reflextraining, das Greifen des Stockes nach dem Angriff, die Entwaffnungen auch im Reaktionstraining einsetzbar machen, viele verschieden Sinawalis, und der Einsatz von Alltagsgegenständen in der Selbstverteidigung. Nach dem Wechsel zu GM Remy Presas im Jahr 1994 gab es für den DAV viele neue Bereiche, die intensiv trainiert wurden, so z.b. Fingerhebel, Stockhebel und Stock-Takedowns. Datu Dieter und seine Schüler lernten so andere Wege, Techniken miteinander zu verbinden. Hier begann auch der Weg des DAV, das Tapi-Tapi zu meistern.

Die Beziehung des DAV zu GM Remy Presas war eine besondere. Bei der ersten DAV Dan-Prüfung, die Professor Presas sah, bemerkte er, wie ernsthaft die Schüler ihr Modern Arnis Training betrieben. Datu Dieter sagte einmal, dass Professor Presas vielleicht auch die Tatsache schätzte, dass der DAV NICHT das Konzept „The art within your art“ benutzte, sondern Modern Arnis als ein eigenständiges System verbreitete. Dies hatte Professor Presas nie eingefordert oder forciert und so hat es ihn vielleicht überrascht, dies beim DAV zu sehen und es könnte sein, dass ihm dies sehr gefallen hat.

Ich habe in den vergangenen vier Jahren im DAV trainiert. Ich lebe in der Schweiz und habe daher nicht die Möglichkeit, regelmäßig in einem DAV Club in Deutschland zu trainieren. Aber ich habe so viele Seminare besucht, wie ich konnte, besonders wenn Datu Dieter unterrichtet hat. Dadurch habe ich ein deutlich besseres Verständnis für echte Selbstverteidigung bekommen.

Durch die Trainingseinheiten beim DAV habe ich gelernt, wie ich den Stock als Schlagwaffe zielgerichtet einsetzen kann und nicht, wie ich den Stock schön mit kunstvollen Bewegungen führen kann. Meine philippinischen Lehrer legten großen Wert auf die richtige Form, so dass die Techniken dann schön und anmutig aussehen. Diese Art, die Arnis Techniken auszuführen, ist mir auch sehr wichtig. Aber durch das Training mit dem DAV lernte ich die Anwendung im Kampf. Datu Dieter zeigte mir echte Anwendungen, die mein Bewusstsein und meine Fähigkeiten für die Straße verbesserten. Nicht nur das. Denn durch die Tatsache, dass ich beim Training mit den DAV-Schwarzgurten normalerweise die kleinste und leichteste war, lernte ich stark zu sein. Es wurde mir klar, dass ich wirklich so stark wie die „großen“ sein kann, zwar nicht durch Körperkraft, aber durch meine Technik und den effektiven Einsatz meiner Kampfkunst-Fähigkeiten.

Das Training mit dem DAV hat mir auch gezeigt, dass Kraft und Ausdauertraining wichtig sind, und dass nur ich alleine dafür verantwortlich bin. Dadurch bin ich zum Konditionstraining durch Boxen und anderen Sport gekommen. Durch das Training mit dem DAV lernte ich, Schläge einzustecken. Ich lernte, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen, wenn ich am Boden war und nicht mehr konnte. Manchmal wurde ich geworfen und bin hart gefallen. Ich lernte, wie es ist, wenn ich von einem Stock im Gesicht getroffen wurde und mit den Konsequenzen umzugehen, wenn ich mal nicht schnell genug war. Ich lernte weiterzumachen, selbst als die Prellungen begannen, meine Arme taub und gefühllos werden zu lassen.

Ich erinnere mich besonders an ein hartes Training in Frankfurt, als ich im Zug zurück nach Zürich saß und meine Verletzungen behandelte. Ich fühlte mich als einzige Überlebende eines Krieges auf dem Weg nach Hause. Ich musste mich entscheiden, ob ich aufhören oder weitermachen soll. Als mir die Bedeutung dieser Entscheidung klar wurde, rannte mir eine Träne die Wange herab.

Vielleicht passiert das jeder Frau, die Kampfkünste betreibt, einmal im Leben: Der Moment der Konfrontation mit sich selbst, die Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten und Zweifeln. Meine Entscheidung war: mach weiter, lerne mehr, lerne einzustecken und lerne, den Kampf aufzunehmen und zurückzufighten. Dieses spezielle Training hat mich auf ein höheres Level in meinem Kampfkunsttraining gebracht … dass ich innerlich zäh und hart im Nehmen sein kann. Meiner Meinung nach eine wichtige Erfahrung, die jede Frau, die Kampfkünste betreibt, machen sollte. Weil echte Selbstverteidigungssituationen auf der Straße richtig übel sind, müssen wir lernen, mit Schmerzen, Verletzungen und hartem Training in einem kontrollierten Umfeld umzugehen. Mit harten aber respektvollen Partnern unter den Augen eines guten Lehrers. Für mich ist diese Erkenntnis das Wichtigste, was ich aus dem Training mit dem DAV gelernt habe.

Der DAV hat immens sowohl zu zur Geschichte als auch zur Zukunft des Modern Arnis beigetragen. Dabei ist er immer den Idealen und Visionen von Professor Presas treu geblieben. Die Mission und die Errungenschaft des DAV lässt sich gut in einer Aussage zusammenfassen, die Datu Dieter einmal in einem Interview gemacht hat: „Modern Arnis ist heute eine anerkannte Kampfkunst in der Welt. Es gibt viele Versionen davon. Keine ist richtig, keine ist falsch. Keine hat die „richtigere“ Version des Modern Arnis im Vergleich zu anderen Versionen. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern nur ein ‚anders'“. Wegen dieser Perspektive wird sich Modern Arnis in der Welt weiter verbreiten und der Traum von Professor Presas wird weiterleben, die philippinischen Kampfkünste als kulturelles Erbe an die zukünftigen Generationen weiterzugeben.